... Susan Avilés
(* 1945 als Utta-Maria de Avilés, † 1. April 2016)

Das schrieb die Presse über sie:


    Erst Yoga, dann vor's Mikrofon (Bravo, ca. 1971)
   
"Das wird die Pop-Entdeckung des Jahres", sagte Abi Ofarim, als er vor Jahresfrist die 21jährige (verjüngt) Sekretärin aus
    St. Goarshausen am Rhein zum ersten Mal singen hörte. Freunde hatten ihn auf die talentierte Susan aufmerksam gemacht.
    Abi nahm das Mädchen, das einen spanischen Vater und eine deutsche Mutter hat, unter die Fittiche seiner
    Produktionsfirma PROM - und die clevere Nachwuchssängerin nutzte ihre Chance. Es machte ihr nichts aus,
    dass Abi sie erst mal ein Jahr lang "auf Eis" legte.
    "In diesen zwölf Monaten habe ich mehr gelernt als in meinem ganzen bisherigen Leben", sagt Susan.
    Abi brachte seiner Neuentdeckung all das bei, was sie können musste, um im Showbusiness Erfolg zu haben.
    Die harte Arbeit lohnte sich. Susan spricht heute außer Deutsch auch Englisch, Spanisch und Griechisch;
    sie lernte Gitarre spielen, und trainierte Yogaübungen.
    Erst dann durfte sie vors Mikrofon und ihr ersten Lieder "Eine schöne Welt" und "Hell wie das Licht" auf Platte aufnehmen.
    Inzwischen schreibt die 21jährige Ex-Sekretärin eigene Songtexte. Ihre zweite Single "Versuch' zu verstehen" ist schon zur
    Hälfte eine Eigenproduktion: Text und Melodie stammen von Susan Avilés.
    Die Platte ("Frag nicht wann") brachte das Talent vom Rhein zum ersten Mal auf den Bildschirm - in die ZDF-Hitparade.
"Ich hoffe im stillen, dass die Nummer ein Hit wird", sagt die zierliche Susan. "Wenn nicht, versuche ich mein Glück weiterhin als Texterin und Komponistin."

 
    Geboren in St. Goarshausen/Rhein. Vater Spanier, Mutter Deutsche.
    Arbeitete als Sekretärin, wurde von Abi Ofarim entdeckt und in seiner Firma Prom als Showstar ein Jahr lang ausgebildet.
    Gitarrenunterricht, textet und komponiert.
    Als Siegerin unter 40 Mitbewerbern Teilnahme an einem bulgarischen Songfestival.
    Spricht deutsch, englisch, spanisch und griechisch.

   
Siegmund Helms (Hrsg.): Schlager in Deutschland, 1972, S. 179.

Vom 3. bis 6. Juni 1971 vertrat sie die BRD beim "Golden Orpheus Festival" in Bulgarien.

    EINE FACHSCHULE FÜR JUNGE POPSÄNGER (Hamburger Abendblatt / 30. Januar 1971 / Emanuel Eckhard)
    Vor zwei Jahren noch machte Abi Ofarim mit viel Geschick und der Stimme seiner besseren Hälfte Millionen.
    Jetzt bezieht er Unterstützung vom Arbeitsamt, das in Deutschland seinesgleichen sucht.

   
Münzstraße 7. Ein schmales baufälliges Haus, unten Ocker, oben verblichenes Grau. Die Tuba im Hofbräuhaus um die Ecke klingt nach Bierschwemme.
    In der Münzstraße 7 treffen sich junge Münchner, die mal einen Joint ziehen wollen, ohne dass jemand dazwischenfunkt.
    Auf der Treppe lagern angetörnte Typen zuhauf. Der Zugang zum dritten Stock ist ihnen verwehrt. Im dritten Stock ist PROM.
    Vor vier Jahren hatte Abi Ofarim die Idee, eine Firma zu gründen, in der junge Sänger ausgebildet werden, bevor sie im Showgeschäft mitmischen.
    Jetzt zeichnen sich erste Erfolge dieses Pop-Institutes ab.
    Der ehemalige Haupt-"Hair"-Darsteller Thomas Hock (22) beansprucht mit seinen Titeln "Ich will leben" und "Halt' meine Hand" immer wieder die Sendeminuten von Funk und
    Fernsehen, Susan Avilés' volle dunkle Stimme (Münchner Abendzeitung: "Wirklich heiße Ware") dringt wohltuend durch das Einerlei deutscher Schlager-Dutzendware,
    und Peter Petrels Titel "Kinder des Lichts" sollte von den Schallplattenläden als Rarität verkauft werden. Die Stimme des Hannoveraner Jazzsängers hat internationales Niveau.
    Susan, Thomas und Peter gehören zur "ersten Generation" der Prom-Pop-Interpreten.
    Bevor sie ihre erste Single aufnehmen durfte, wurde Susan Avilés zum Beispiel ein Jahr lang ausgebildet: "Ich lernte mich zu bewegen, Tanz, Choreographie.
    Ich lernte Englisch, Gitarre, Schminktechnik, Yoga und vor allem Singen." Abi Ofarim arbeitete täglich sechs Stunden mit seinen Schützlingen. Manchmal bis in die Nacht.
    "Prom ist einer der Gründe für meine Trennung von Esther. Ich musste das machen. Ich war nicht mehr komplett mit mir auf der Bühne."
    Abi Ofarim, der Manager seiner singenden Frau, die zweite Stimme im Hintergrund, die sich in den Studios zu mächtigem Brüllen erheben konnte,
    wenn ein Beleuchter Esther nicht ins rechte Licht rückte, Abi Ofarim, das glatte Gesicht mit den schläfrigen Augen - an diesem Bild stimmt nichts mehr.
    Vor mir sitzt ein Abi Ofarim, der zum deutschen Show-Business passt wie ein Smoking zum Gartenzwerg.
    Da sitzt ein Mann in der Haartracht biblischer Apostel, 33 Jahre, relaxed, eher Prophet als Manager, ein Mann, der sich entschlossen hat,
    seine Millionen auf den Kopf zu hauen, um in Deutschland, dem Schlafsaal der Popmusik, die Fenster aufzureißen:
    "Ich rede nicht vom Geld, ich habe genug, um das hier noch zwei Jahre zu machen. Für mich ist die Wahrheit wichtig. Ich will die Wahrheit!
    Ich will, dass die Leute, die hier bei Prom sind, sich selbst finden, ohne auf den kommerziellen Wind zu kommen.
    In den großen Schallplattengesellschaften werden sie gezwungen, etwas zu machen, was sie nicht wirklich wollen. Hier sagt niemand, dass sie etwas tun oder sein müssen."
    Abi spricht mit leiser eindringlicher Stimme. "Eine halbe Millione hat Abi hier schon reingesteckt."
    Fred Schinhärl, Endzwanziger aus der Oberpfalz, ist Abis rechte Hand und hat den Überblick.
    Wenn man Popsänger ohne Rücksicht auf Rendite ausbildet, ein Jahr üben lässt, bevor mit der Produktion begonnen wird, ihnen ein Gehalt von 900 Mark zahlt,
    für sie ein britisches Hausorchester und ein eigenes Studio unterhält, eine "Bank" von kostspieligen Kompositionen speichert, aus denen die Interpreten frei wählen können,
    dann kostet das Geld.
    11.000 DM Ausbildungshilfe, die das Arbeitsamt München nach sorgfältiger Prüfung bewilligt hat, sind da nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
    Susan, Thomas und Peter arbeiten jetzt an der zweiten Singl. Die Düsseldorfer Popgruppe "Can", ebenfalls bei Abi unter Vertrag, musizieren in eigenen Studios,
    von Prom finanziell unterstützt. Neue Entwicklung, die "zweite Generation" bosseln an ihrer ersten Platte.
    Darunter Luana aus Italien, ein Winzling mit großen Augen und einer zwei-Zentner-Stimme.
    "Wenn jemand mit einer irren Stimme hierher kommt, ist das nicht genug. Er muss eine Persönlichkeit sein, offen, bereit zu lernen, sich selbst zu entwickeln,
    an sich zu arbeiten", sagt Abi Ofarim, der hofft, dass Prom in Deutschland viele Nachahmer finden wird.
    "Ich will, dass niemand mehr von Deutschland als Provinz spricht. Ich sehe an Holland, an Dänemark, an der Schweiz, dass das nicht so sein muss."
    Kathy Reising, vormals "Hair"-Pflegerin, jetzt Betreuerin des Prom-Popvölkchens, hat zwiemal "Hier" geschrien, als der Herrgott den Charme verteilte.
    Sie verschwendet ihn bedenkenlos, um die "Kinder" in Fernseh- und Rundfunksendungen unterzubringen.
    Aber Radio Luxemburg, die Welle ungetrübter, seichter Freude, gab ihr einen Korb.
    Peter Petrels Texstzeile "Der Leib des Teufels wird getauft" entsprach nicht den Luxemburger Vorstellungen von einem sauberen Äther.
    Aber Erfolg ist bei Abi Ofarim kein Konzept. Eher die Hoffnung eines Spielers, der auf seine Trümpfe vertraut.
    Es ist ein Spiel mit hohem Einsatz, ein Spiel bei dem Abi seine Millionen setzt für eine Idee, für den Glauben an die "Wahrheit".
    Abi spielt gegen eine Industrie, die seit Jahrzehnten auf Ideen verzichtet.
    Münzstraße 7. Schichtwechsel. Bei Prom gehen die Lichter aus. In der Teestube im zweiten Stock glimmt der erste Joint.
    Ein schmales, baufälliges Haus im Zentrum Münchens beginnt sein Nachtleben.


Weitere Schallplatten-Produktionen

NANNY & BARBARA THORN

1962 / Telefunken
U 55 442
Silberwald
[SILVER BELLS]

Rosen wie Herzblut so rot



Duett mit ihrer Mutter (der Texterin Utta de Avilés)

SUZIE MARCUS

1966 / Vogue
DV 14 562
So wie ein Blatt im Wind
Viel zu schnell
 
SUZIE MARCUS

1967 / Vogue
HV 2090
Het is voorbij

Veel te snel
[VIEL ZU SCHNELL]
 
1970 / Philips
6003 058
Hell wie das Licht
Eine schöne Welt
1971 / Philips
6003 111
Frag' nicht wann
[WE ARE ONE]

Versuche zu versteh'n
[TO WHOM IT MAY CONCERN]
1972 / Philips
6003 181
Rama Yama
Es war kein Zufall
FAMILY CHILD

1973 / Polydor Finger
2046 033
He
What about the Music?
Als Mitglied der Gruppe "Family Child" (u.a. mit Tony Gregory und Donna Summer)
TONY GREGORY & FAMILY CHILD

1973 / Polydor Finger
2046 039
One more Time
Gimme, gimme
Als Mitglied der Gruppe "Family Child" (u.a. mit Tony Gregory und Donna Summer)
TONY GREGORY & FAMILY CHILD

1974 / RCA
LP "One more Time"
Gimme, gimme
He
Higher Ground
I'm in Love with you, Baby
I want you near to me
I will be your Friend
One more Time
What about the Music?
What'll I do?
Als Mitglied der Gruppe "Family Child" (u.a. mit Tony Gregory und Donna Summer)
1980 / Ariola
LP "Mir schneidet keiner mehr die Flügel ab"
Das dunkle Zimmer
Die Mutter aller Huren
Die perfekte Lüge
Eli Lama Asabtani
Ich bin ein Individuum
Leb' wohl, Mama
Mein grauer Engel aus München
Mein Mann ist eine Frau
Mir schneidet keiner mehr die Flügel ab
Sei still
So leer kann doch der Himmel nicht sein
Uns geht's doch gut
 
1981 / Ariola
103 001-100
Ich hab' im Leben keinen Augenblick versäumt
Die Tür ist zu
 
1981 / Ariola
LP "In jeder Beziehung"
Begegnung
Der Rummelplatz-Willi
Die Tür ist zu
Du wirst lachen, es geht mir gut
Heinz
Hörst du das Lied von Lili Marleen?
Ich hab' im Leben keinen Augenblick versäumt
Liebeslied einer Mutter
Wenn du wüsstest
Wenn Kinder lieber sterben
Wie konntest du das nur sagen?
 

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