(1976 Bildüberbringerin: Ursula Polster)

BASIC-INFOS Goldie

1954 als Ursula Wratschko in Kapfenberg/Steiermark geboren

aus der Steiermark

war Handelsschülerin, studierte Musik in Salzburg

hier gelangen sie zu ihrer Discographie

   
   
   
   
  musikalische Anfänge  


Ihr Vater war Opernsänger, dadurch kam sie schon früh mit Musik in Kontakt.
Sie bekam bereits früh Klavierunterricht, war aber zu faul um fleißig zu üben.
Später wollte sie dann freiwillig Gitarre lernen. Im Alter von 12 Jahren gründete sie ihre erste Band.

In der Handelsschule schrieb sie bereits erste englische Texte, die sie gerne am Ende der Stunde ihrem Professor zur Korrektur gab um ein wenig Unterrichtszeit zu schinden.
Ihr Direktor ermutigte sie zu einem öffentlichen Auftritt.
In einem Jugendclub in Bruck an der Mur folgten ihre ersten Auftritte. Bei ihrem ersten Auftritt sang sie "Je t'aime" (Gainsbourg & Birkin) - allerdings erkannte niemand um welches Lied es sich dabei gehandelt hat. Jemand ermutigte sie doch ihre Titel auf Band aufzunehmen und an den ORF zu schicken.

Und tatsächlich - sie wurde sofort nach Wien eingeladen.

  Show-Chance  


1972 nimmt sie an als jüngste Teilnehmerin an der Show-Chance teil. Mit den deutschen Produktionen konnte sie sich jedoch nicht anfreunden.
Im Kurzinterview während der "Show-Chance" antwortete sie auf die Frage: Wie stehen Sie zu deutschen Texten:

    "Weniger. Ich mag deutsche Texte nicht besonders, weil sie automatisch zur Schnulze werden,
    wenn sie nicht gut sind. Und die meisten sind nicht gut."

- nun ja, und genau das beweist sie (leider) mit dem Titel, den sie singen musste.
Sie sagte mir in einem Gespräch, dass sie diesen sperrigen Titel bis heute erfolgreich verdrängt hatte.
Sie verstand absolut nicht, warum sie als fröhliches Mädel so eine trübsinnige Schnulze singen musste ...

Im Rahmen der "Show-Chance 1972" sang Goldie folgenden Titel:

   "Lügen zerstören, was man Liebe nennt" - im Finale 5. Platz (Solisten)
 

 

 


Obwohl sie "nur" Fünfte wurde, bekam sie einen Plattenvertrag bei der CBS und den Künstler-Nachnamen "Ens" gleich dazu. Wie es zu diesem Namen kam, weiß heute niemand mehr so genau.
Trotz fehlendem 'n' wurde Goldie vom Bürgermeister der Stadt Enns zur Ehrenbürgerin erklärt.

Im Folgejahr erscheint ihre Debütsingle "Roter Vogel", mit recht eigenwilligen Texten. Lancelott Emerson Lumsden (besser als Lance Lumsden bekannt) wird auf sie aufmerksam und wird ihr Manager.

 

  Weitere musikalische Erfolge  

 


(1976, Bildüberbringerin: Ursula Polster)

1974
Erst jetzt - unter dem Management von Lance Lumsden - kann sie endlich zeigen, was wirklich ihr steckt. Durch die Herkunft ihres Managers (und Texters) ist es für sie nun auch problemlos möglich englische Popsongs singen. In diesem Jahr erscheint "Goodbye Joe" - ihr Durchbruch! Es folgen vier Jahre Tingelei durch ganz Österreich.

1975
vertritt sie Österreich beim Internationalen Song-Festival in Sopot/Polen mit "Najtrudniejszy pierwszy krok" in polnischer Sprache (9. Platz im polnischen Finale) und als "Holding Hands" in englischer Sprache.
Mit "Am schwiergste ersted" (wohl ein Übersetzungsfehler der polnischen Archivverwalter) belegt sie Platz 12 im internationalen Finale.

bis 1977 erscheinen noch weitere gute Pop-Songs von Österreichs bekanntester Disco-Lady:

    * Tuesday / Long is my Way
    * Night Express 10.30 / Don't call me Baby
    * Disco Baby / Got to learn Love again
(# 18 der österreichischen Charts)

Auf der Rückseite des Single-Covers von "Disco Baby" schreibt die CBS folgendes über sie:
Goldie Ens ist Österreicherin und wird demnächst 22 Jahre alt.
Zur Show-Karriere kam sie 1972 über die "Show-Chance", einem Nachwuchswettbewerb von Ö3.
 Hartes Training in Stimmbildung und Bühnen-Präsentation machte Goldie zu einer der beliebtesten Interpretinnen Österreichs.
Beim Internationalen Song-Festival im polnischen Sopot errang sie voriges Jahr den zweiten Preis.
Arthur Lauber betreut ihr musikalisches Repertoire als Komponist und Arrangeur.
Er hat auch Goldies neuen tempogeladenen Titel geschrieben, dessen Chancen für die Hitparade gut stehen.

   
* Get moving / Call me Darling
    * Hang on to me / Back Door Jane
   


GOLDIE ENS in einem Musikvideo zu "Good Bye Joe" (1974)

 

  1974 Spotlight "Meine Stadt"  
 

1975 "I'm on Fire"

 

1976 "Disco Baby"

1975 Spotlight "Goodbye Joe"

 

1978/79
In diesem Jahr erscheinen Dancin in Space / Take me und Can I reach you / You really turn me on.
Ja, Sie haben richtig gelesen, das bekannte "Can I reach you" - übrigens von Drafi Deutscher (alias Jack Goldbird) komponiert und getextet... und Goldie singt es sehr gut!

Die CBS bewarb "Dancin' in Space" wie folgt:
Goldie Ens, 27jährige Sängerin aus der Nachbar- und Alpenrepublik Österreich, die in ihrer Heimat bereits einigen Erfolg aufzuweisen hat und im Laufe der letzten Jahre jeden ihrer Songs in der Hitparade placieren konnte, versucht nun mit der nun vorliegenden Single, diesen Erfolg auch in Deutschland zu übertragen.
"Dancin' in Space", in Hamburg produziert unter der Regie von David Parker, der schon für Luisa Fernandez den "goldenen Ton" traf, dürfte für die Österreicherin der beste "Disco-Weg zum Erfolg sein".

Ist Ihnen auch etwas komisch vorgekommen?
Nein? Dann lesen Sie doch noch einmal genau. Die gute Goldie Ens ist (ihrer Plattenfirma zufolge) innerhalb von drei Jahren, ganze sechs (!) Jahre älter geworden!? Mysteriös...


(1976, Bildüberbringerin: Ursula Polster)


1979 - neue Wege
In diesem Jahr wollte sich Goldie Ens von einer ganz neuen Seite zeigen. Als "nur" reproduzierende Künstlerin wollte sie nun auch beweisen, was noch so alles in ihr steckt.
Sie entwickelte das ambitionierte Deutschrock-Projekt "Rosine", mit eigenen Kompositionen und dadaistischen Texten.
Aufgrund von kommerziellen Vorbehalten der Plattenfirma wurde die LP nie veröffentlicht. Die neuen Wege von Goldie wurden nicht unterstützt. Die Plattenfirma war der Ansicht, dass man das Goldie nicht abkaufen würde. Außerdem wurde gerade eine - bessere - Sängerin, die Musik in dieser Art machte, unter Vertrag genommen. Niemand Geringeres als Nina Hagen.
Enttäuscht zog sich Goldie aus der Musik zurück und ging für ein halbes Jahr in die USA. Im Nachhinein fragte sie sich häufig: "Warum habe ich die Platte nicht einer anderen Firma angeboten?" - ob sie den großen Erfolg gebracht hätte? Man weiß es nicht ...
   

   
Vier Fotos aus den 70er Jahren. FotografInnen sind unbekannt. Bildüberbringerin: Ursula Polster
 

 

  heute  

   
Musikalisch tritt sie nur noch selten auf - und auch nur dann, wenn sie Lust dazu hat.
In den 80er Jahren startete sie noch einmal ganz neu durch - sie wird zu einem Star in der damaligen Tschechoslowakei. Das Album "This is my Life" (1983) erhielt sogar die goldene Schallplatte.

Parallel begann sie nun mit den Dingen zu arbeiten, die sie immer interessiert haben: Design und Einrichtung.

Heute ist sie eine gefragte Inneneinrichterin und verfügt über zahlreiche Stammkunden. Ihr Nobelmöbelhaus "Silenzio" führte sie 20 Jahre lang und verkaufte es vor rund vier Jahren.
Seither findet man sie im charmanten Wohnsalon P. (Schultergasse, 1. Wiener Bezirk). Einem kleinen - aber äußerst feinen Geschäft mit zahlreichen eleganten Möbelstücken und Accessoires aller Art. Selbstverständlich wird man freundlich und zuvorkommend von der Chefin beraten. Auch im Fernsehen sieht man sie noch regelmäßig. Im ehemaligen Format Willkommen Österreich, dass sich heute je nach Jahreszeit Frühlingszeit, Sommerzeit, Herbstzeit oder Winterzeit nennt, tritt sie in ORF 2 als Einrichtungsberaterin vor die Kamera.

Ursula Polster - so heißt sie heute (nach ihrem ersten Ehemann). Sie lebt mit ihrem dritten Ehemann, dem Rechtsanwalt Karl Newole, und Boxerhündin Alena im 1. Wiener Gemeindebezirk.



Quellen:
Rockarchiv Steiermark
Woman "Bin auf Adrenalin", 1. August 2008
Interviews mit Ursula Polster (Sommer 2010)

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